GRÜNE LIGA
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Streuobst – Erhalt durch Genuss
Artenreiche Biotope und einzigartige Kulturlandschaft schützen
Die GRÜNE LIGA ist ein vielfältiges Netzwerk ökologischer Bewegungen – in Ostdeutschland verwurzelt, aber auch in Brüssel und Madagaskar aktiv. Wir errichten Krötenschutzzäune, pflegen Naturschutzgebiete und veranstalten Parlamentarische Abende. Wir kämpfen vor Gericht gegen Braunkohletagebaue und richten alljährlich „Europas größte ökologische Erlebnismeile“ am Brandenburger Tor in Berlin aus.
Streuobstwiesen gelten als Hotspots der Biodiversität. Sie bieten Lebensraum für viele Pflanzen, Pilze und Tiere. Höhlenbrüter wie der Gartenrotschwanz nutzen die Baumhöhlen der alten hochstämmigen Bäume. Zwischen den Bäumen schwirren Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten. Über den Boden flitzen Nagetiere wie der seltene Gartenschläfer. Von den Früchten an den hochstämmigen Bäumen bis zur Wiese am Boden bildet sich ein Biotopkomplex, der im Wechselspiel von Licht und Schatten als Halboffenlandschaft eine unglaubliche Artenvielfalt ermöglicht.
Charakteristisch für Streuobst sind die verschiedenen Obstarten. Neben Äpfeln werden u.a. auch Birnen, Pflaumen, Kirschen, Esskastanien und Walnüsse angebaut. Im Gegensatz zum Intensivobstanbau in Plantagen werden auf Streuobstwiesen vielfältige Obstarten und -sorten gepflanzt. Somit tragen Streuobstwiesen auch zum Erhalt historischer Sorten bei.
Seit Mitte des letzten Jahrhunderts ist der Bestand an Streuobst in Deutschland und ganz Europa erheblich zurückgegangen. Viele Flächen wurden aufgegeben und gerodet. Damit geht auch das Wissen über die Anbautechnik zunehmend verloren. Es ist aber nicht nur ein Stück Kultur und Tradition bedroht, sondern vor allem auch ein wichtiger Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Deswegen engagieren sich die Gruppen der GRÜNEN LIGA für den Erhalt des Streuobstanbaus.
Streuobstwiesen sind eine Kulturlandschaft und brauchen unsere Pflege. Die Wiesen werden beweidet oder gemäht. Hierbei helfen entweder Schafe oder der Fauna schonende Balkenmäher. Die Bäume verlangen eine fachgerechte Pflege. Diese Kulturtechnik ist jedoch im letzten Jahrhundert zunehmend in Vergessenheit geraten, da nur noch Intensivobstanbau gelehrt wurde. In Zeiten des Klimawandels und immer trocken werdender Böden muss sich das Pflegemanagement für die Bäume und das Grünland weiterentwickeln.
Im Gegensatz zur industriellen Verarbeitung stehen beim Streuobst regionale Wertschöpfung und Wirtschaftskreisläufe im Vordergrund. Streuobst wird oft in kleinen, regional verankerten Keltereien verarbeitet. Deren Anzahl ist in den letzten Jahren erfreulicherweise wieder angestiegen, da die Menschen in den kleinen, mitunter mobilen Keltereien ihren eigenen Saft aus ihrem eigenen Obst pressen lassen können.
Nur durch eine nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung kann dieses besondere Biotop erhalten und damit letztlich Naturschutz ermöglicht werden. Da diese jahrhundertealte Kultur stark bedroht ist, wurde der Streuobstanbau 2021 von der Deutschen UNESCO-Kommission als Immaterielles Kulturerbe anerkannt. Die GRÜNE LIGA setzt sich dafür ein, die Schönheit dieses einzigartigen Kulturlandschaftselementes – von der Blüte im Frühling bis zur farbenfrohen Ernte im Herbst – noch für viele Generationen zu erhalten. Das gelingt uns nur, wenn das Obst zu Saft, Brand, Trockenobst oder Apfelmus verarbeitet und konsumiert wird. Das Streuobstbiotop kann nur durch Genuss erhalten werden.
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